Die Rastermethode – Bilder mit Raster abzeichnen

Mit der Rastermethode zeichnen auch Leute, die sich „kein Talent“ bescheinigen, erstaunlich genaue Bilder ab. Der Trick: Du schaust nie auf das ganze Motiv, sondern immer nur auf ein Kästchen.

Vorlage und Zeichenblatt bekommen dasselbe Raster. Was auf der Vorlage im Kästchen B4 liegt, zeichnest du auch in B4 — so bleiben die Proportionen erhalten, und aus einer großen Aufgabe werden viele kleine.

Strichzeichnung von Haus, Baum und Sonne unter einem Raster aus 6 mal 6 Kästchen, Spalten A bis F, Zeilen 1 bis 6
Die Vorlage mit Raster, beschriftet wie ein Schachbrett.

In fünf Schritten zum Bild

  1. Raster über die Vorlage: Im Rasterwerkzeug Linienzahl und Abstand in Millimetern einstellen, als PDF auf Folie drucken und aufs Foto legen.
  2. Raster aufs Blatt: Gleich viele Zeilen und Spalten, ganz hell vorzeichnen — oder mit dünnen Linien aus dem Generator drucken.
  3. Beschriften: Spalten A, B, C …, Zeilen 1, 2, 3 … — auf Vorlage und Blatt.
  4. Kästchen für Kästchen: Wo tritt eine Linie ins Kästchen ein, wo aus, wie biegt sie sich? Erst Umrisse, dann Details.
  5. Raster weg: Zurücktreten, Gesamtbild prüfen, Raster wegradieren, ausarbeiten.
Dasselbe 6-mal-6-Raster größer: Spalten A und B sowie die Zeilen 4 bis 6 bis Spalte D sind schon übertragen, der Rest ist noch leer
Gleiche Kästchenzahl, größere Kästchen: Die Zeichnung wächst mit.

Das brauchst du

  • eine Vorlage (Foto, Zeichnung, Ausdruck)
  • Zeichenpapier in Endgröße
  • harter Bleistift fürs Raster, weicher für die Zeichnung
  • langes Lineal
  • Radiergummi oder Knetradierer

Die richtige Kästchengröße

Fein ist genau, grob ist schnell. Für den Anfang taugen etwa 2 cm auf A4 — ein Startwert, keine Norm.

Bei Augen, Mund und anderen kniffligen Stellen einzelne Kästchen noch einmal halbieren.

Vergrößern & verkleinern

Entscheidend ist die gleiche Kästchenzahl, nicht die gleiche Größe. Vorlage 1 cm, Blatt 2 cm: Die Zeichnung wird doppelt so breit und doppelt so hoch.

Das Seitenverhältnis des Rasters muss dabei gleich bleiben.

Typische Fehler

  • Eine Spalte zu viel auf dem Blatt — alles verzieht sich. Vorher beide Raster zählen.
  • Anderes Seitenverhältnis — die Zeichnung wird gestaucht.
  • Zu fest vorgezeichnet — das Gitter bleibt im Bild.
  • Im falschen Kästchen — Schachbrett-Namen helfen, ein Blatt deckt den Rest ab.
  • Nur Kästchen, nie das Ganze — ab und zu zurücktreten.

Runde Motive: Kreisraster

Mandalas, Zifferblätter oder Blüten überträgst du leichter mit Ringen um einen Mittelpunkt, geteilt wie Tortenstücke. Das Vorgehen bleibt gleich: gleiches Raster auf Vorlage und Blatt, Feld für Feld.

Wofür man die Rastermethode nutzt

Wandbilder

Der klassische Weg, einen kleinen Entwurf auf eine ganze Wand zu bringen — das Raster kommt mit Kreide oder Schlagschnur an die Wand.

Porträts

Bei Gesichtern fällt jede Verschiebung auf. Das Raster setzt Augen, Nase und Mund an die richtige Stelle.

Unterricht

Zeigt, dass genaues Zeichnen vor allem genaues Hinschauen ist — und passt zum Thema Maßstab.

Ein alter Trick der Künstler

Die Rastermethode ist kein Internet-Kniff. Schon Albrecht Dürer zeigte in seinem Lehrbuch „Underweysung der Messung“ einen Zeichner, der sein Modell durch einen Rahmen mit gespanntem Fadengitter betrachtet und Feld für Feld auf ein ebenso gerastertes Blatt überträgt.

Heute nimmt man statt Fäden eine bedruckte Folie — das Prinzip ist dasselbe.

Gute Motive für den Anfang

  • Fotos mit klaren Umrissen: ein Tier im Profil, eine Tasse, ein Haus
  • Comicfiguren mit kräftigen Linien
  • Ein eigenes Foto, schwarz-weiß ausgedruckt — Kontraste sieht man dann besser
  • Erst später: Porträts und Landschaften mit vielen feinen Übergängen

Tipp: Zieh in schwierigen Kästchen noch die Diagonalen ein. Dann hast du vier kleinere Felder und mehr Anhaltspunkte.

Übrigens: Karo- und andere Raster als Blatt zum Ausdrucken gibt es auch auf raster.brosemedien.de.

Häufige Fragen

Wie lege ich ein Raster über ein Bild?

Am saubersten mit Folie: Raster im Rasterwerkzeug erzeugen, auf durchsichtige Folie drucken, aufs Foto legen. Ohne Folie zeichnest du das Raster mit Lineal auf eine Kopie.

Wie groß sollten die Kästchen sein?

Für den Einstieg etwa 2 cm auf A4. Feiner wird genauer, gröber geht schneller — wichtig ist nur die gleiche Kästchenzahl.

Wie vergrößere ich ein Bild mit der Rastermethode?

Gleich viele Kästchen, aber größere auf dem Blatt. Doppelt so große Kästchen ergeben ein doppelt so breites und hohes Bild.

Welche Motive eignen sich für die Rastermethode?

Für den Anfang Fotos und Zeichnungen mit klaren Umrissen und starken Kontrasten. Porträts gelingen mit Raster besonders gut, brauchen aber feinere Kästchen an Augen und Mund.

Ist Abzeichnen mit Raster schummeln?

Nein. Das Raster nimmt dir nur die Platzierung ab; hinschauen, Linien setzen und ausarbeiten musst du selbst.

Diese Anleitung hat Fabian Brose geschrieben

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