Interessante Relevanz

Ein Interview zu einem interessanten Thema

Spiegel: hi
Foerb: hallo

Spiegel: findest du es nicht etwas arrogant, dich selbst zu interviewen?
Foerb: doch total, aber Arroganz ist doch der heutige Gesellschaftskern. Oder findest du nicht arrogant, dass sich niemand mehr wirklich für etwas interessiert?

Spiegel: was bedeutet denn „Interesse“ für dich?
Foerb: den Begriff fand ich schon immer merkwürdig. Interesse für etwas zu haben ist ja die maximal sachliche Ausdrucksform ohne jegliche Wertung. Genutzt wird der Begriff aber ja eher, um eine positive emotionale Haltung zu etwas zu zeigen. In den sozialen Netzwerken kann man ja sein Interesse an Terminen kundtun, aber worauf geht Interesse hinaus?

Spiegel: Gegenfrage zur Gegenfrage: warum führst du dieses Interview?
Foerb: es gibt extreme Gegensätze zum Thema „Relevanz“ und „Interesse“, vor allem in Bezug auf die Gesellschaft. Also ein relevantes und interessantes Thema.

Spiegel: glaubst du, „die Gesellschaft“ interessiert das?
Foerb: nein.

Spiegel: warum führst du dann dieses Interview?
Foerb: weil es eine Möglichkeit ist, Leute zu erreichen. Und weil man sagen kann, was man will, und das ist doch schön.

Spiegel: aber du gehst ja eher davon aus, dass es keiner liest. So ganz verstehe ich nicht, worauf das Interview hinaus will.
Foerb: ich möchte inspirieren, sich mit Relevanz und Interesse auseinanderzusetzen. Ich sage, es ist alles interessant, was existiert oder theoretisch existiert, also alles. Aber eben im sachlichen Sinne. Der Begriff „interessant“ ist also in meinen Augen überflüssig. Es macht keinen Sinn, ihn zu benutzen. Was man stattdessen meint, wenn man etwas interessant findet, ist die Relevanz. Wenn es eben für jemanden relevant ist oder aus Sicht von jemandem für andere relevant ist.

Spiegel: also ist das Interview für dich relevant und darum führst du es?
Foerb: genau! Es ist ein Interview aus dem Gedanken an die Relevanz heraus. Und ich glaube eben, dass jeder noch so kleine Funke – jede Inspiration, eben alles – aus einer Relevanz entspringt oder entsprungen ist.

Spiegel: was bedeutet das gesellschaftlich?
Foerb: Relevanz ist ein extrem verzerrtes Dingsbums. Es ist wie ein völlig verklebter Kaugummi in einem Teppich. Wenn man sich vorstellt, jedes einzelne Teppichhaar steht für eine Branche, einen Bereich, eine Farbe, einen Ton, einen Typ, entsteht ein Bild von einem völlig vermatschten Klumpen. Aber was man als Mensch will, ist doch Klarheit. Man will doch verstehen und verstanden werden. Vielleicht will man nicht alles verstehen, aber wenigstens die eigenen Prinzipien für sich relevant halten, also die Relevanz pflegen.

Spiegel: also sagst du: alles ist egal, außer dem, was dir gerade passt?
Foerb: weiß ich nicht. Sag ich das? Es wirkt gesellschaftlich so. Wobei es ja offensichtlich ist, dass Relevanz mit Marketing, Beeinflussung, Kultur und so einhergeht.

Spiegel: was ist für Foerb gerade relevant?
Foerb: letztens habe ich ein Schlager-Album veröffentlicht, obwohl ich Schlager verabscheue. Aber es hat mir irgendwie auch Augen und Möglichkeiten geöffnet und mich inspiriert, mehr gegen eigene Vorstellungen kreativ zu werden. Wenn ich die KI frage, Bezug zu gestalterischen oder künstlerischen Inhalten von mir Stellung zu nehmen, sagt sie oft „mit Augenzwinkern“. Meine Arbeit wird also ironisch aufgenommen. Aber sie ist überhaupt nicht ironisch gemeint. Für mich ist also gerade relevant, den künstlerischen Output nicht aus einer bestimmten Haltung heraus zu bringen, sondern ihn einfach zu veröffentlichen. Es ist ja wie gesagt erst mal alles gleichwertig interessant.

Spiegel: wie bekommst du Feedback zu deinen Arbeiten?
Foerb: es gibt ein paar persönliche Kontakte, von denen ich wertvolles Feedback bekomme. Die meisten Arbeiten sind zu umfangreich für die sozialen Netzwerke, und es fällt mir sehr schwer, sie dort zu verbreiten. Die meisten Inhalte sind eher nicht gemacht für kurzes Feedback. So bekomme ich generell eher wenig Feedback.

Spiegel: wenn alles gleichwertig interessant ist – warum veröffentlichst du dann überhaupt?
Foerb: weil Gleichwertigkeit nicht bedeutet, dass alles folgenlos ist. Veröffentlichen ist eine Entscheidung, kein Urteil.

Spiegel: wie viel Ego steckt in deiner Arbeit?
Foerb: genug, um sie zu machen. Zu wenig, um sie zu verteidigen.

Spiegel: für wen ist das alles?
Foerb: für Leute, die nicht sofort wissen wollen, was sie davon haben.

Spiegel: willst du gesehen werden?
Foerb: nein. Ich will verstanden werden.

Spiegel: wo sind deine Arbeiten zu sehen?
Foerb: sehr viel steht auf meinen acht Webseiten, meistens sehr detailliert.

Spiegel: musst du deine Arbeiten oft erklären?
Foerb: ich muss mich oft rechtfertigen, warum ich das mache. Die Standardfrage ist: „Warum machst du das?“

Spiegel: warum machst du das?
Foerb: wenn man sich ständig erklären muss, geht es nicht um Missverständnisse, es geht um Bereitschaft.

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